Bist du Jäger oder Farmer? Warum ADHS keine Störung sein muss.
ADHS als Stärke? Ich erkläre das Jäger-Farmer-Framework und zeige auf, wie du aufhörst, gegen dich selbst zu arbeiten und anfängst, mit dir zu führen statt gegen dich.
Die Frage, die alles veränderte
Kennst du das Gefühl, gegen dich selbst zu arbeiten?
Du gibst alles. Du arbeitest hart. Du versuchst, strukturierter zu sein, fokussierter, geduldiger. Du liest Bücher über Zeitmanagement, probierst Produktivitäts-Apps, zwingst dich zu Routinen. Und trotzdem: Es fühlt sich an wie Schwimmen gegen die Strömung.
Ich kenne dieses Gefühl. Ich habe 20 Jahre lang versucht, jemand zu sein, der ich nicht bin. Ich war Vorstand. Geschäftsführer. Verantwortlich für Teams, Budgets, Entscheidungen. Und ich hatte ADHS – auch wenn ich es jahrelang nicht so genannt habe.
Ich nannte es „Unruhe". „Zu viele Ideen gleichzeitig". „Schwierigkeiten mit Routinen".
Ich kompensierte das durch mehr Arbeit und weniger Schlaf. Baute Systeme, um meine „Defizite" auszugleichen. Bis ich bemerkte, dass ich nicht mehr meine Schwächen kaschierte, sondern mich selbst bekämpfte.
Das Problem war nicht ADHS.
Das Problem war, dass ich versuchte, wie ein Farmer zu arbeiten, obwohl ich ein Jäger bin.
Lass mich das so erklären:
Entwicklungsgeschichtlich ist ADHS eine Jäger-Superkraft. Unsere Vorfahren, die jagten, brauchten exakt diese Eigenschaften, um zu überleben:
→ Mehrere Dinge gleichzeitig beobachten (Beute, andere Jäger, Wind, Gelände, Raubtiere)
→ Schnell reagieren (Entscheidungen in Sekundenbruchteilen treffen)
→ Muster erkennen (Spuren lesen, Verhalten antizipieren)
→ Hyperfokus in kritischen Momenten (wenn es um Leben oder Tod geht)
→ Unruhe als Antrieb (Stillstand bedeutet Hunger)
→ Kreativität unter Druck (improvisieren, wenn der Plan nicht funktioniert)
Das sind keine Defizite. Das sind Features.
Aber unsere moderne Arbeitswelt ist für Farmer gebaut:
→ Geduld (Ernten dauern Monate)
→ Routine (jeden Tag die gleichen Aufgaben)
→ Ausdauer (lange, gleichförmige Prozesse)
→ Beständigkeit (keine Überraschungen)
Wenn du ein Jäger bist, aber versuchst, Ackerbau zu betreiben, wirst du scheitern. (Und umgekehrt!)
Nicht weil du unfähig bist. Sondern weil du im falschen Umfeld bist.
Jahrelang dachte ich, ich müsste mich anpassen. Ich müsste „normaler" werden. Strukturierter. Fokussierter. Geduldiger.
Ich kämpfte gegen meine Natur. Und dieser Kampf kostete mich Energie, Klarheit und Wirksamkeit.
Die spirituelle Dimension
Aus spiritueller Sicht ist das, was ich tat, Selbstverrat. Ich ignorierte meinen Wesenskern – das, was mich im Innersten ausmacht. Ich versuchte, eine Rolle zu spielen, die nicht zu mir passte. Im schamanischen Verständnis würde man sagen: Ich war nicht mehr in Verbindung mit meiner Kraft. Ich hatte den Zugang zu meiner ursprünglichen Energie verloren.
Und das Ergebnis?
Erschöpfung. Frustration. Das Gefühl, nie genug zu sein.
Die psychologische Dimension
Aus systemischer Sicht entstand ein innerer Konflikt: Mein authentisches Selbst (der Jäger) kämpfte gegen mein angepasstes Selbst (der Farmer, der ich zu sein versuchte). Dieser Konflikt verbrauchte enorme Energie – Energie, die mir für echte Wirksamkeit fehlte.
Der Wendepunkt
Die Kenntnis und Akzeptanz von ADHS kam spät. Aber sie brachte etwas, das ich jahrelang vermisst hatte: Klarheit.
Plötzlich ergaben Dinge Sinn:
→ Mein Hyperfokus in Krisen
→ Meine Fähigkeit, in chaotischen Situationen ruhig zu bleiben
→ Meine Ungeduld mit langsamen Prozessen
→ Meine Kreativität und mein analytischer Verstand, wenn andere den Durchblick schon lange verloren hatten
Das waren keine "Schwächen". Das waren Stärken!
Aber ich musste lernen, sie zu nutzen, statt sie zu unterdrücken.
Als ich auf die Jäger-Farmer-Metapher stieß, war es wie eine Offenbarung. Plötzlich hatte ich einen Rahmen, um mich selbst zu verstehen – ohne Pathologisierung, ohne Defizit-Denken.
Ich war nicht falsch oder kaputt. Ich war nur im falschen Umfeld.
Ich war nicht undiszipliniert. Ich hatte nur die falschen Strategien.
Ich war nicht schwach. Ich konnte nur meine Stärken nicht richtig einsetzen.
Drei Schritte zu mehr Selbstführung
Wenn du das Gefühl hast, gegen dich selbst zu arbeiten – wenn du spürst, dass etwas nicht passt – dann lade ich dich ein, diese drei Schritte zu gehen:
- Erkenne dein Betriebssystem
Frage dich:
Bin ich Jäger (Bewegung, Abwechslung, Krisen, Hyperfokus) oder Farmer (Routine, Geduld, Ausdauer, Beständigkeit)?
Jäger-Eigenschaften:
- Du blühst in Krisen auf
- Du brauchst Abwechslung und Bewegung
- Du denkst in Sprüngen, nicht in Schritten
- Du hast Hyperfokus-Phasen
- Du hältst Stagnation nicht aus
Farmer-Eigenschaften:
- Du liebst Routinen
- Du bist geduldig mit langsamen Prozessen
- Du denkst linear und strukturiert
- Du hast gleichmäßige Energie über den Tag
- Du schätzt Beständigkeit
Es gibt kein richtig oder falsch. Es gibt nur: Was passt zu dir?
- Gestalte dein Umfeld passend
Wenn du Jäger bist:
- Kurze Meetings (max. 30 Min.)
- Bewegung zwischendurch (Laufen, Gehen, Stehen)
- Klare Prioritäten (max. 3 pro Tag)
- Projekte mit Deadline-Druck (keine endlosen Prozesse)
- Krisen-Situationen (wo Hyperfokus gefragt ist)
- Raum für sprunghaftes Denken (keine starren Agenden)
Wenn du Farmer bist:
- Längere, strukturierte Meetings
- Feste Routinen und Rituale
- Langfristige Projekte mit klaren Meilensteinen
- Gleichmäßige Arbeitsrhythmen
- Beständige Strukturen
Die Frage ist nicht: „Wie passe ich mich an?"
Die Frage ist: „Wie gestalte ich mein Umfeld so, dass ich funktioniere?"
- Nutze deine Stärken strategisch
Für Jäger:
→ Krisenmanagement – Dein Hyperfokus macht dich unschlagbar in turbulenten Zeiten
→ Innovation – Deine Ungeduld mit Stagnation treibt Veränderung voran
→ Strategische Kreativität – Dein sprunghaftes Denken findet Lösungen, die andere nicht sehen
→ Change Management – Deine Unruhe bringt Bewegung in festgefahrene Strukturen
Die Frage ist nicht: „Wie verstecke ich meine Schwächen?"
Die Frage ist: „Wie positioniere ich mich so, dass meine Eigenheiten zu Stärken werden?"
Was sich verändert hat
Ich habe aufgehört, so zu tun, als wäre ich jemand anders. Ich habe angefangen, meine Arbeitsweise zu optimieren und aufgehört, mich an Erwartungen anzupassen. Ich habe gelernt, meine Energie zu managen statt sie zu bekämpfen. Und ich habe wieder festgestellt: Menschen respektieren Ehrlichkeit mehr als Perfektion.
Aus spiritueller Sicht ist Ehrlichkeit mit sich selbst der erste Schritt zur Ganzheit. Wenn du aufhörst, Teile von dir zu verstecken – wenn du aufhörst, gegen deine Natur zu kämpfen – dann entsteht Kohärenz. Du bist nicht mehr zerrissen zwischen dem, was du bist, und dem, was du zu sein versuchst. Du bist eins mit dir selbst. Und diese Kohärenz spüren andere. Sie macht dich authentisch, glaubwürdig, wirksam.
Warum Coaching kein Risiko ist, sondern eine Chance
Wer an sich arbeitet und seine Muster reflektiert, wer sich professionell begleiten lässt, eröffnet sich dramatische Chancen. Das ist keine Schwäche. Das ist Selbstführung. Und wenn ich als Mensch, Führungskraft oder Elternteil nicht bereit bin, mich selbst zu führen, wie soll ich dann andere führen?
Die Entscheidung für Coaching, für Entwicklung, für Selbstreflexion ist keine Verletzlichkeit und kein Karriererisiko. Es ist das Signal: „Ich nehme mich ernst. Ich nehme meine Verantwortung ernst. Ich bin bereit, hinzusehen." Und genau das brauchen wir: Menschen, die bereit sind, hinzusehen. Auch und gerade zu sich selbst!
Deine nächsten Schritte
Wenn du gerade an einem Punkt bist, wo etwas nicht mehr passt – wo du spürst, dass du gegen dich selbst arbeitest statt mit dir –, dann lade ich dich ein: Hör auf, dich anzupassen. Fang an, dich zu verstehen. Das ist keine Esoterik. Das ist Selbstführung. Und Selbstführung ist die Grundlage für praktisch jede Entwicklung.
Drei Fragen für deine Reflexion:
- Bist du Jäger oder Farmer? Welche Eigenschaften beschreiben dich am besten?
- Wo arbeitest du gegen dich selbst? Welche Strukturen, Aufgaben, Erwartungen passen nicht zu dir?
- Was brauchst du wirklich? Nicht: Was solltest du brauchen? Sondern: Was brauchst du, um klar, energiegeladen und wirksam zu sein?
Meine Einladung an dich
Wenn du bereit bist, tiefer zu gehen – wenn du Klarheit gewinnen, tragfähig entscheiden und konkret handeln willst – dann lass uns sprechen. Ich begleite Menschen dabei, ihren Wesenskern zu erkennen, ihre Arbeitsweise anzupassen und ihre vermeintlichen Schwächen in strategische Stärken zu verwandeln.
Vereinbare jetzt ein kostenfreies Erstgespräch und finde heraus, ob du Jäger oder Farmer bist und wie du endlich mit dir selbst arbeitest, statt gegen dich.
Abschlussfrage:
Gibt es eine vermeintliche Schwäche in deinem Leben, die – aus einem anderen Blickwinkel betrachtet – eine Stärke sein könnte?
Schreib mir. Ich bin gespannt auf deine Gedanken.
Dr. Ing. Andreas „Sympathico" Baum
Systemischer Business Coach | Schamane | Dozent
Hannover